Arno Fischbacher: der geheime Verführer Stimme. Wie deine Stimme unbewusst wirkt

Ein Gastartikel von Arno Fischbacher.

Als wäre sie ein Seismograph der Seele, macht die Stimme jede kleinste Regung des Menschen hörbar. Gefühle färben den Klang der Stimme ebenso rasch heller oder dunkler wie Gedanken. Das besondere dabei ist, dass alles hörbar wird, ob wir wollen oder nicht. Oft sind es nur Nuancen, die weder dem Sprecher noch dem Zuhörer bewusst werden. Aber unbewusst werden die Signale sehr wohl aufgenommen.

Obwohl E-Mails und Internet in unserer heutigen Welt einen hohen Stellenwert haben, werden wesentliche Entscheidungen immer noch auf Grund von Gesprächen und persönlicher Auseinandersetzung getroffen. Die Stimme hat oft „das letzte Wort“. Sie lässt einerseits Konflikte eskalieren und andererseits großes Vertrauen entstehen. Die Stimme ist ein Schlüsselreiz in der Kommunikation und ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Eine wohlklingende Stimme entscheidet häufig über Erfolg oder Misserfolg. Ein Mensch mit einer guten Stimme strahlt Kompetenz, Glaubwürdigkeit und Vertrauen aus: Werte, die auch im Beruf und Geschäftsleben eine große Rolle spielen.

Die entscheidenden Faktoren für eine wirkungsvolle Stimme

Eine der wesentlichsten Qualitäten der Stimme ist die Empathie. Also: Wie nahbar klingt das Gesagte? In welchem Ausmaß signalisierst du Zuhörbereitschaft und Partnerschaftlichkeit während des Sprechens? Das Gegenteil der empathischen Stimme ist ein Überhang an Dominanz beim Sprechen, ein Befehlston, eine Stimme, die eine klare Hierarchie signalisiert. Unter dem Motto: Ich sage dir, was ist, und du hörst zu.

Eine weitere wesentliche Qualität der Stimme ist der Eigenton: Vermittelt mir die Stimme Vertrauen und Sicherheit? Diesen Eigenton hören wir, wenn jemand stressfrei ist: Dann klingt unsere Stimme entspannt, gelöst, voll, in sich ruhend. Das Gegenteil ist hörbare Stressspannung, die z.B. durch Zeitmangel entstehen kann.

Nicht zuletzt ist auch die Tragfähigkeit eine wichtige Qualität der Stimme. Sie signalisiert Lebensenergie und Spannkraft. Das Gegenteil dazu ist eine brüchige bzw. raue oder müde Stimme. Menschen mit einer energiereichen Stimme können raumfüllend sprechen. Das ist besonders wichtig für Meetings oder bei Vorträgen, um Inhalte gut zu transportieren.

Arno Fischbacher

Die Stimme sorgt für Faszination, Sympathie und Durchsetzungsvermögen

Um von der Wirkung deiner Stimme zu profitieren, musst du sie bewusst einsetzen. Mit der Stimme nimmst du Kontakt auf, gehst auf Tuchfühlung und weckst Emotionen. Somit birgt die Stimme vor allem im Job ein hohes ungenutztes wirtschaftliches Potenzial, das Erfolg und Umsatz bedeuten kann.

10 einfache, aber wichtige Tipps, mit denen du Deiner Stimme beweist, was sie dir wert ist:

  • Wasser, Wasser, Wasser: Feuchtigkeit ist gut für die Stimme. Während des Tages viel Wasser zu trinken, ist die beste Möglichkeit, um sie gut zu versorgen.
  • Küssen ja, Schreien nein: Schreien ist immer schlecht für die Stimme. Denn im Gegensatz zum lauten Rufen erfordert Schreien einen Kraftaufwand der feinen Stellmuskeln im Kehlkopf, die dafür gar nicht geschaffen sind. Schnell ist die Stimme dann hinüber.
  • Ein wenig Nonsens beim Warm up: Das Warm up für die Stimme brauchen nicht nur Sänger. Einfache und schnell durchgeführte Dinge wie Lippenflattern, Zungenkreisen oder ein Auf und Ab zwischen Deinem persönlich höchsten und niedrigsten Ton macht deine Stimme fit fürs Sprechen.
  • Keine Prügel für die Stimmlippen: Wenn du Dich räusperst, ist das für die Stimmlippen so, als würdest du sie hart gegeneinander klatschen lassen. Das tut dem sensiblen Material nicht gut. Trink stattdessen einen Schluck Wasser und schluck kräftig, um den Drang des Räuspern loszuwerden.
  • Cool aussehen, ohne zu rauchen: Das möglicherweise Schlimmste, das du deiner Stimme antun kannst, ist zu rauchen. Es schädigt dauerhaft die Stimmlippen und ist die Hauptursache für Kehlkopfkrebs.
  • Den Gefühlen auf der Spur: In lauter Umgebung passen wir unbewusst unsere eigene Lautstärke beim Sprechen an. Achte darauf, wie es sich in deinem Hals anfühlt. Vielleicht spürst du, welche Anstrengung du Deiner Stimme abverlangst. Wechsel lieber zu einem ruhigeren Ort oder reduziere das Sprechen.
  • Pfeif nicht aus dem letzten Loch: Durch deinen Atem erhält die Stimme Kraft und Volumen. Schöpfe den Atem nicht bis zum letzten Rest aus, wenn du sprichst. Gönne dir, zwischendurch immer wieder Luft zu holen. So bleibt der Sprechfluss gleichmäßiger und deine Stimme klingt frei statt gepresst.
  • Sich selbst gut zuhören: Solltest du heiser werden, erlaube deiner Stimme, eine Pause zu machen. In gleichem Umfang und Lautstärke weiterzusprechen, kann zu längeren und ernsteren Stimmproblemen führen.
  • Der Profi hilft: Wenn du das Gefühl hast, in deiner Stimme ist noch Potential, aber du weißt alleine nicht, wie du rankommst, solltest du dich nicht scheuen, auch mal eine Stunde mit einem Coach oder Trainer zu buchen. Du wirst überrascht sein, wie rasch du noch überzeugender klingst als heute.

arno-fischbacherÜber Arno Fischbacher:

Arno Fischbacher ist Wirtschafts-Stimmcoach, Speaker, Trainer und Autor. Er ist der Experte für die unbewusste Macht der Stimme in Kundenservice, Führung und Vertrieb und bereitet Führungskräfte und Mitarbeiter der Top-Unternehmen in Deutschland und Österreich auf Gespräche, Präsentationen und Medienauftritte vor. In seiner modernen Trainingsmethode verbindet Fischbacher seine Erfahrungen mit neuem Wissen aus Psycholinguistik und Wahrnehmungsforschung. Arno Fischbacher ist amtierender Präsident des Chapter Österreich der German Speakers Association. In seinem Buch „Geheimer Verführer Stimme“ gibt er gut verständlich und leicht nachvollziehbar zahlreiche Tipps und Hintergründe zum Thema Stimme. Arno Fischbacher ist Gründer und Vorstand von www.stimme.at, dem europäischen Netzwerk der Stimmexperten und trägt damit heute wesentlich zum gesellschaftlichen Bewusstsein für den Wirtschaftsfaktor Stimme bei. Er besticht durch mitreißendes Auftreten und eine Fülle an praktischen, sofort anwendbaren Tipps. Stimme wirkt! Mehr Informationen auf www.arno-fischbacher.com

6 Kommentare, sei der nächste!

  1. Der Artikel fasst schön die wesentlichen Punkte über Wesen und Nutzen der menschlichen Stimme zusammen, finde ich. Mir fehlt noch ein bisschen die Einordnung in das Thema von Ben’s Blog, also die Frage danach, was die Stimme mit einem Leben nach eigenem Standard zu tun hat;-]

  2. aber wenn ich meine Stimme trainiere und die Gefühle (auch Stress oder Unwohlsein) wegtrainiere, dann…. kann doch gar nicht kommen, was für mich kommen soll? Ist das nicht nur eine Symptombehandlung? Klar, jetzt kann man sagen, das Äußere (die Stimme) wirkt auf das Innere. Aber… dann finden mich z.B. Leute sympathisch, die meine tiefsten Ängste nicht verstehen und wieder lasse mich auf Dinge, Leute ein, die nur halb zu mir passen und verzettel mich (viele flache / halbe Sympathieträger anstatt BÄMMMM)…. oder nicht? Wie seht ihr das?

  3. Stimme schafft Stimmung. Ich mag meine Stimme sehr und bekomme auch immer wieder das Feedback dass ich eine sehr sympathische Stimme habe worüber ich sehr froh bin. Stimme finde ich enorm wichtig. Wenn ich einen Termin mit jemandem telefonisch vereinbare, kann ich sofort hören, ob das passt oder nicht. In meinen Beratungen am Telefon höre ich „nur“ die Stimme und das was dahinter ist. Das finde ich mega spannend und ich liebe diesen Fokus, alles andere ausschalten, nur Stimme … hören, fühlen, spüren …

    Gute Anregung, vielleicht sollte ich mal wieder mit ihr trainieren.

    Herzliche Grüße Ute

  4. Lieber Arno, lieber Ben!

    Danke für die hilfreichen Tipps:

    Mir persönlich fällt die unterschiedliche Klangweite meiner Stimme zB auf, wenn ich Meditationen spreche. Zu Beginn geht die Stimme am Ende des Satzes nach Unten und ist allgemein tiefer, gegen ende, wenn es ans munter werden geht wird sie heller und gleichzeitig aktivierender.

    Alles Liebe,
    Michaela

  5. Toller Artikel…:)
    wir können meiner Meinung nach super unsere Stimme einsetzten
    um unsere Gefühle zu steuern.
    Ich verwende für jedes Gefühl das ich empfinde oder im Job vermitteln möchte
    eine andere Stimme.
    Wenn mir gegenüber beispielsweise jemand laut wird und ich darauf mit einer ruhigen und gelassenen Stimme reagiere, fühle ich mich zugleich auch ruhig und gelassen. Das bedeutet ja nicht, dass ich meinem Gegenüber etwas vorspiele. Nein, im Gegenteil.

    Ich entscheide in jeder Situation wie ich mich fühle und was ich vermitteln möchte und dazu nutze ich persönlich an erster Linie meine Stimme.

    Ein Leben nach eigenem Standard eben ;)

    Danke euch für die tollen Tipps!

    Alles Liebe
    Sahar

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